26.12.2019 / Artikel / Umwelt und Energie /

Woher des Stromes

Politkolumne von Thomas Huber, Niederurnen (erschienen in den Glarner Nachrichten vom 27.12.2019).

Letzten Freitag wurde unter grossem medialem Aufsehen das AKW Mühleberg vom Netz genommen und der schrittweise Ausstieg aus der Atomenergie wurde ein erstes Mal richtig sichtbar. Dass mit einem Schlag die Hälfte der im Kanton Bern nötigen elektrischen Energie nun zu grossen Teilen aus dem Ausland importiert werden muss, stimmt mich sehr nachdenklich. Aufgrund der Wichtigkeit der elektrischen Energie sollten wir alle Hebel in Bewegung setzen, um die in der Schweiz nötige Energie selber zu produzieren.

Die Energiestatistik des Bundes zeigt auf, dass der Gesamtenergieverbrauch der Schweiz seit 2010 rückläufig ist. Die Einsparung erfolgt aber zum grössten Teil auf Kosten der Erdölbrennstoffe. Der Verbrauch von elektrische Energie ist jedoch seit Jahren konstant. Aufgrund des steigenden Anteils der E-mobility wird sich dies in naher Zukunft auch nicht ändern. Der Anteil der Atomenergie betrug 35% im Jahr 2018. Wie können wir den schrittweisen Wegfall der Atomenergie wettmachen?

Bestimmt ist die Photovoltaik eine gute Alternative. Daher ist es auch richtig, dass die PV-Technologie einen wichtigen Platz im Entwurf zum Energiegesetz gefunden hat. Allerdings ist die Sache mit dem grossflächigen Verbauen von Dächern, Fassaden und Klärbecken noch nicht erledigt. Denn auch diese Technologie ist nicht die Eierlegendewollmilchsau. Die PV-Anlage auf dem Dach hält die Gefriertruhe über Nacht nicht kühl oder betreibt auch nicht den Racletteofen an einem kalten Winterabend. Wir müssen den Strom speichern können.

Da muss die Politik den Hebel ansetzen. Es müssen Möglichkeiten geschaffen werden um den Strom zu speichern. Möglichkeiten gibt es viele. Mit den Kraftwerken Linth-Limmern haben wir einen sehr grossen Speicher im Kanton. In Jona steht eine grosse Batteriespeicheranlage oder es gibt auch Möglichkeiten kleine Batteriespeicher zu jeder PV-Anlage zu installieren. Auch hier gilt: Das eine tun, das andere nicht lassen. Sind nicht auch solch kleine Anlagen zu fördern? Zumal heute mehr der Idealismus als die Wirtschaftlichkeit Antrieb ist, solche Anlagen zu installieren.

Solche Batteriespeicheranlagen sind aus meiner Sicht eher für die kurzfristige Speicherung geeignet. Für die langfristige Speicherung benötigt es den Ausbau der Wasserkraft. Dabei ist ein Eingriff in die Natur in den meisten Fällen unumgänglich. Dies stösst dann, wie die Atomenergie, auf Widerstand. Damit auch in Zukunft der Strom ganz einfach aus der Steckdose kommt, müssen wir in verschiedenen Bereichen Abstriche machen. Wir werden es bei der Beratung des Energiegesetzes an der Landsgemeinde in den eigenen Händen haben, um uns fit zu machen für die Zeit nach dem Atomstrom.

Ich wünsche Ihnen einen guten Rutsch ins neue Jahr und freue mich auf spannende Gespräche im 2020.

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