21.02.2020 / Artikel / Gesundheitswesen /

Wie lange können wir uns die Gesundheit noch leisten?

Politkolumne von Landrat Urs Sigrist, erschienen in den Glarner Nachrichten vom 21.02.2020.

Kürzlich musste ich vom Arzt verschrieben 7 Tage lang ein Medikament einnehmen. Täglich zwei Tabletten, der Hausarzt hat mir eine Verpackungseinheit von 32 Stück mitgegeben. Nach der Behandlung, ging es mir besser und ich war froh darüber. Was passiert nun aber mit dem Rest der Tabletten, es blieben nämlich mehr als die Hälfte, 18 Tabletten übrig. Dieser landet über kurz oder lang im Abfall. Das kann es doch wirklich nicht sein!

Wenn ich dann darüber mit meinen weiblichen Pflegefachfrauen in der Familie spreche, und ich habe gleich drei davon zur Auswahl, so wird mir eine noch viel dramatischere Realität vermittelt.

«Papi, du hast ja keine Ahnung was wir im Spital jeden Tag an Mengen Medikamente wegwerfen!»; heisst es dann noch verschärfend.

Das gab mir Anlass mich etwas genauer mit dem Thema auseinander zu setzen. Tatsächlich, meine Recherchen zeigen, dass wir in der Schweiz im Jahr Medikamente im Wert von mehr als einer Milliarde Franken wegwerfen. Gemäss provisorischer Sonderabfall-Statistik des Bundes landen im Jahr über 1400 Tonnen Medikamente in der Kehrichtverbrennung. Das entspricht mehr als einer Milliarde Franken, die sich jedes Jahr in Rauch auflöst.

Hier sind wir gefordert, hier ist vor allem auch die Politik gefordert. Dagegen wird viel zu wenig unternommen. Wenn man das Thema steigende Gesundheitskosten anspricht, so heisst es immer, was können wir dagegen tun, das sei nicht so einfach.

Hier sehe ich eine Möglichkeit relativ einfach viel Geld zu sparen – nämlich mehr als eine Milliarde pro Jahr!

Auch wenn der Anteil der Medikamente an den gesamten Gesundheitskosten laut Statistik nur 13% ausmacht, so gibt es hier doch konkrete Möglichkeiten um Geld einzusparen. Auch Kleinvieh macht Mist. Nicht zuletzt geht es auch um ein Umdenken im System und bei jedem Einzelnen, wie können wir nur so verschwenderisch sein und jedes Jahr so viel Medikamente vernichten. Das ist ökologisch und ökonomisch überhaupt nicht mehr vertretbar.

Der Hauptgrund für den Abfallberg bei den Arzneimitteln sind die oft zu grossen Medikamentenverpackungen. Am Ende einer Therapie – oder auch schon vorher, da bei rund der Hälfte der Patienten die Therapietreue ungenügend ist – landen die übrig gebliebenen Kapseln, Pillen und Dragées im besten Fall im Schrank im Badezimmer und warten dort auf das Ende ihrer Haltbarkeit. Oder die angebrochenen Packungen wandern direkt in den Abfall. Viele Hausapotheken sind in der Schweiz prall gefüllt, oft mit Medikamenten, die spätestens beim nächsten Umzug entsorgt werden.

Medikamentenverschwendung im grossen Stil! Das wäre eigentlich ein Thema für die Politik. Es wäre mit einfachen technischen Mitteln möglich dies zu ändern und die Medikamente abgezählt abzugeben. Dazu gab es mit dem sogenannten Blistern bereits erfolgreiche Versuche.

Natürlich muss man bei den entsprechenden Regularien Anpassungen vornehmen. Ebenfalls müsste man entsprechende Anreize schaffen um beim Handel Kosten zu senken.

Ohne Gesetzesänderungen wird es nicht gehen und solche Änderungen erfordern leider meistens einen langen politischen Prozess.

Es ist mir bewusst, dass dies nur ein ganz kleiner Aspekt in einem sehr komplexen System ist. Ich habe mich bewusst nur auf dieses Thema mit der Medikamentenverschwendung begrenzt.

Die CVP hat dies erkannt und daher die Kostenbremse-Initiative lanciert. Damit sich endlich etwas ändert und die Prämienexplosion gestoppt wird, braucht es jetzt den Druck einer Volksinitiative. Die Kostenbremse-Initiative verlangt, dass Bundesrat, Bundesversammlung und Kantone eingreifen müssen, wenn die Gesundheitskosten, im Vergleich zu der Lohnentwicklung zu stark steigen. Damit werden die längst bekannten und guten Sparvorschläge endlich umgesetzt und dem Prämienwachstum ein Riegel vorgeschoben.

Damit sich wirklich was ändert und unter anderem auch solche Themen nun endlich angegangen werden, erkannt wurde dies anscheinend schon vor langer Zeit. Leider braucht es diesen Druck einer Initiative damit man gegen die grosse Macht der Lobby eine Chance hat und das Volk einen Riegel vorschieben kann.

Wir können unser vorzeige Gesundheitswesen nachhaltig stabilisieren und langfristig auch für unsere Nachfahren retten. Falls sie auch der Meinung sind, man müsse nun endlich etwas tun, so unterschreiben sie die Initiative.

Ich habe es auf jeden Fall längst getan.