24.07.2020 / Artikel / Politik /

Die Keule der Moral

Politkolumne von Linus Hofmann, Präsident der JCVP des Kt. Glarus, erschienen in den Glarner Nachrichten vom 24.07.2020.

Uns in Europa betraf die Bewegung aus den USA „#BlackLivesMatter“ erst, als die ursprüngliche Bewegung der Beendigung von Polizeigewalt und Überwindung des Rassismus auch mit Forderungen einer geschichtlichen Aufräumaktion bei uns aufgekreuzt ist. Unsere Geschichte sollte auf Mark und Bein nach rassistischen Machenschaften untersucht werden, denn eine mangelhafte Sensibilisierung halte uns in der falschen Vorstellung, dass wir mit Rassismus nie etwas zu tun gehabt hätten. Tatsächlich wurden in der Folge vielerorts Statuen historischer Personen zerstört.

Die gute Moral, nicht rassistisch zu sein, Menschen nicht zu diskriminieren, würden die Meisten heute unterstützen. Deshalb hat auch logischerweise niemand etwas gegen die geschichtliche Sensibilisierung und die Bekämpfung von Rassismus. Die Frage ist aber mit welchen Mitteln wir das tun.

Denn das Problem an der guten Moral ist: Derjenige der mit ihr auf andere zeigt, kann sozusagen alle Mittel im Namen dieser Keule rechtfertigen. Wo er also Rassismus verdächtigt, schwingt er seine Keule. Dagegen kann man sich praktisch nicht wehren, da der Rassismusvorwurf eine Generalverurteilung ist, bei der man einknicken muss, um nicht als Rassist dazustehen. Dies führt zu einer diktaturartigen Meinungspolitik. Diese Waffe gilt es sorgfältiger und am richtigen Ort einzusetzen. Ich denke nicht, dass wir weiterkommen, wenn wir uns in Logos von Firmen und Produkten verrennen, oder mit der Idee, Statuen abzubauen nach dem Motto: Aus den Augen aus dem Sinn. Die Geschichte ist eigentlich die Konfrontation mit sich selbst.

Die Gesellschaft käme nicht weiter, wenn Rassismus plakativ verboten würde, die Menschen aber immer noch rassistisch wären. Nie würde eine Person, die rassistisch ist, ihre Position plötzlich ändern, nur weil plötzlich die Statue Alfred Eschers entsorgt würde oder Uncle Ben’s Reispackungen ihr Logo änderten.

Wir Menschen sind fähig, die innere Haltung selbst zu ändern, wenn wir menschliche Offenheit erlernen und feststellen, dass es keinen Grund zur Rassendiskrimminierung gibt. Dies sollte das Ziel sein. Für uns bedeutet das: Hören, Sehen und Denken; selbständig, ohne Moralkeule, sondern mit Verstand. Wenn wir es schaffen, den Blick auf das Wesentliche zu richten und nicht auf das Äussere, sondern aus eigener Kraft durch eine moderne Diskussion, dann sind wir dem Ziel am nächsten.

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